Das Kreuz mit dem Kreuz (2022/01)

... entstanden ist diese Bild bereits im Januar/Februar 2019. Damals schrieb ich nur kurz, dass dieses Bild symbolisch für jegliche Form der Gewalt im Namen des Glaubens steht. Neben mittelalterliche Hexenverbrennungen, Religionskriegen, kirchlichem Antisemitismus und religiös motiviertem Terrorismus stand bereits damals auch die Misshandlung Schutzbefohlener bis hin zum sexuellen Kindermissbrauch durch die Kirche im Fokus. Mit dem neuen Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising erlangt diese Arbeit erneut traurige Aktualität, weshalb ich dieses - vor Blut tropfende - Kreuz noch einmal alleinstehend aufgreifen möchte.

Die katholische Kirche hat in ihren verkrusteten Strukturen auf ganzer Linie versagt. Nicht nur in ihren Taten und jahrzehntelangen (vermutlich eher jahrhundertelangen) Vertuschungen, sondern auch in der ach so gepriesenen vorbehaltlosen und transparenten Aufklärung. Opfer wurden alleine gelassen, Täter vehement geschützt, Aufklärung verschleppt und nur Offensichtliches eingestanden. Bis zum bitteren Ende.

Geschichtlich hat die eigenständige Aufklärung von Taten durch die Täterorganisation vermutlich noch nie funktioniert. Und wer würde schon ernsthaft auf die Idee kommen, die Mafia zu beauftragen, ihre eigenen Verbrechen aufzuklären. Und damit stellt sich auch die Frage nach der seit Jahren auffällig zurückhaltenden Staatsanwaltschaft. Sind hier wirklich alle vor dem Gesetz gleich? Wo bleibt hier neben der Moral die Gerechtigkeit, der Rechtsstaat und Justitia.

Dem Fass dem Boden schlägt aber der Umgang mit der Entschädigung anerkannter Opfer aus. Nach jahrzehntelangem Leid entscheidet die Deutsche Bischofskonferenz (erneut eine Institution der Täterorganisation) über die maximale Entschädigungshöhe von 50.000 Euro. Wohlgemerkt ein Maximalbetrag für sich teilweise über Jahre hinwegziehenden schweren sexuellen Missbrauch. ... Stand Dezember 2021 wurden im Erzbistum Köln 1,5 Millionen Euro für Missbrauchsopfer aufgewendet; für Gutachter, Medienanwälte und Kommunikationsberater zahlte der Erzbischof Rainer Maria Woelki im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung bislang rund 2,8 Millionen Euro.

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